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Birgitt Roos nach 45 Jahren in den Ruhestand verabschiedet


Birgitt Roos, die Leitung des Begleitenden Dienstes der Werkstätten der Stiftung Scheuern, hat sich beruflich sage und schreibe 45 Jahre lang den Menschen in der Stiftung Scheuern gewidmet. Jetzt wurde sie am 31. Januar in die Rente verabschiedet.

Ihren ersten Kontakt zur Stiftung Scheuern hatte Birgitt Roos mit 17 Jahren durch ein Praktikum in einer Wohngruppe für Männer. Im Alter von 66 Jahren wurde sie nun feierlich in den wohlverdienten Ruhestand entlassen. An der Feierstunde in der Langauer Mühle nahmen etwa 80 Gäste teil, darunter viele ehemalige Wegbegleiter, die Birgitt Roos für ihr Lebenswerk würdigten.

Für Birgitt Roos war Teilhabe auf Augenhöhe immer das Maß der Dinge. So wirkte sie viele Jahre im Wohnbereich und setzte sich für setzte sich für die berufliche Verwirklichung von Menschen in den Werkstätten ein. Diese waren für sie niemals eine Einbahnstraße, sondern geprägt von Möglichkeiten der Entfaltung.

Jörg Bremser, Geschäftsbereichsleiter Bildung I Arbeit I Teilhabe, lobte Birgitt Roos für ihr außergewöhnliches Engagement. Bis zur letzten Minute habe sie sich mit ihrem unendlichen Wissensschatz in die Arbeit der Werkstatt für die Menschen eingebracht. Stets mit richtigen Augenmaß habe sie sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung eingesetzt. Oftmals streitbar und kritisch der guten Sache wegen und als Vorbild für die gesamte Dienstgemeinschaft. „Sie war die gute Seele des Hauses und das Salz in der Suppe“, so beschrieb Jörg Bremser ihr Wirken. „Wir alle werden Sie vermissen und Sie sind herzlich willkommen, den Lauf unseres Mühlrades zu kontrollieren“, sagte Jörg Bremser und spielte auf eine Anekdote an. Birgitt Roos hatte einst unerschütterliches Bemühen an den Tag gelegt und sich für den Erhalt des Industriedenkmales, dem alten Mühlrad im Foyer der Werkstatt, persönlich eingesetzt.

Bernd Feix, Pädagogischer Vorstand der Stiftung Scheuern, nahm die Gäste mit auf eine Zeitreise. Schließlich bietet die Vita von Birgitt Roos dafür jede Menge außergewöhnliche Einblicke. Stoff aus einem Arbeitsleben, welches nicht in eine Rede hineinpasst, könnte die Umschreibung sein. In seinem humorvollen Rückblick beschrieb Bernd Feix auch mahnende Worte von Birgitt Roos, die ihn bei allen Entwicklungen und Veränderungen in der Stiftung Scheuern selbst beschäftigten. „Die Weiterentwicklung sei wie ein ICE ohne Haltestelle“, habe Roos gesagt, der stets das Einbeziehen von Menschen in Prozesse wichtig war.

Kennengelernt hat Bernd Feix die langjährige Leitung des Begleitenden Dienstes „vor mehr als 6.000 E-Mails“, wie der Pädagogische Vorstand mit einem Augenzwinkern sagte. Er freue sich über das Durchhaltevermögen, das Birgitt Roos stets an den Tag gelegt habe.

Aufgewachsen ist Birgitt Roos im Nassauer Ortsteil Scheuern. 1976 erlangte sie erste Einblicke in die Heilerziehungspflege als Praktikantin in der Stiftung Scheuern. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, sagte Birgitt Roos und schmunzelte über ihre selbst erlebten Irritationen in der Behindertenhilfe, die sie zum Abschied ihrer Laufbahn Revue passieren ließ. Von solchen Erlebnissen ließ sie sich jedoch nicht unterkriegen. Birgitt Roos studierte soziale Arbeit und startete zum 1. August 1980 als Berufsanfängerin gleich als verantwortungsvolle Bereichsleitung im Wohnen. Später übernahm sie die Gesamtleitung der Wohnhäuser auf dem Schimmerich in Nassau, deren Aufbau sie hautnah miterlebte. „Ich war selbst über das Zutrauen meiner damaligen Vorgesetzten in mich erstaunt“, sagte Roos. Unter dem Direktor Pfarrer Fuchs entwickelte sie sich weiter und erlebte den Inbegriff vom Verständnis einer guten Dienstgemeinschaft. Heute würde man dies wohl als lebendige Unternehmenskultur eines offenen Miteinanders und eines verantwortungsvollen Handelns umschreiben.

Den Wechsel in die Leitung des Begleitenden Dienstes zum 1. Januar 1997 hat Birgitt Roos nicht bereut. Ihr neuer beruflicher Horizont reizte sie. Auch im neuen Aufgabengebiet widmete sie sich zu 100 Prozent den Menschen. Birgitt Roos gelang es in den vielen Jahren stets, die gute Beziehungsarbeit für Menschen mit den nicht immer einfachen institutionellen Anforderungen unter einen Hut zu bringen.

Bernd Feix nannte es eine beispielhafte „Gabe“, mit der sie die oft durchaus fordernde Beziehungsarbeit leistete.

Zum Abschluss der Feierstunde ließ Birgitt Roos ihre Gäste mit einer bewegenden Rede an den emotionalen Momenten ihres Arbeitslebens teilhaben. Auch das ist und war Birgitt Roos stets: eine starke Frau. „Werkstatt war immer mehr als nur ein Job für mich“, sagte sie.

Birgitt Roos wurde Anerkennung und Wertschätzung an ihrem letzten Arbeitstag zuteil. Natürlich durften Abschiedsgeschenke nicht fehlen, die sie an ihre Zeit in der Stiftung Scheuern erinnern werden, darunter Fotos, jede Menge gute Wünsche für die Zeit der Rente und ein ganz besonderes Stück aus der Schreinerei: ein Holzregal, gefertigt aus einer Schaufel des alten Mühlrades der Langauer Mühle.

Bei Werkstattbeschäftigten und -mitarbeitenden verabschiedete sich Birgitt Roos mit der Einladung zu Kaffee und Kuchen in der Langauer Mühle. Dabei gab es eine Menge Umarmungen und Dankesworte und auch das ein oder andere Präsent für die langjährige Weggefährtin unzähliger Klienten und Kollegen.

Birgitt Roos (Mitte) mit den Vorständen Pfarrer Gerd Biesgen, Jürgen Schlepper und Bernd Feix sowie Jörg Bremser (Leitung Bildung | Arbeit | Teilhabe) und dem Vorsitzenden des Werkstattrats, Florin Abel, und der Frauenbeauftragten in den Werkstätten, Michelle Hagen.