Jetzt, ganz frisch im Ruhestand, blickt „Ecki“, wie ihn seine Kolleg:innen nennen, auf seine Zeit in der Garten- und Landschaftspflege der Stiftung Scheuern zurück.
Martin Eck ist gelernter Gärtner und Obstbaumeister. Als er 1991 in die Stiftung Scheuern kam, standen ihm gerade einmal zwei Beschäftigte zur Seite, die sich zum Beispiel um den Baumschnitt kümmerten. Damals war das genug Arbeitskraft in diesem Bereich, denn Obst wurde nur für den Eigenbedarf angebaut. Es wurde ausschließlich in der Gastronomie der Stiftung Scheuern verwendet sowie an Mitarbeitende verkauft. Doch schon 1992 wurde eine andere Richtung eingeschlagen.
Wuchs das Obst bis dahin auf freistehenden Viertelstämmen, wurden von nun an gut 3000 Spindelbäume auf zwei Hektar Fläche gepflanzt. „Wir haben alle Pfähle von Hand gesetzt“, erinnert sich „Ecki“. Mit der Umstellung des Obstbaus ergaben sich neue Tätigkeiten für Beschäftigte. Das Tafelobst gelangte fortan in den Handel, wo das regionale und leckere Obst im ganzen Rhein-Lahn-Kreis auf eine große Nachfrage stieß.
Bis zu 15 Beschäftigte fanden so Arbeit auf Hof Mauch. „Das Spektrum von Fähigkeiten, die man hier einsetzen kann, ist groß“, berichtet Martin Eck von der Vielfalt der Tätigkeiten, die im Obstbau gefragt sind. Damit die Beschäftigten unabhängig vom Grad ihrer Beeinträchtigung helfen konnten, waren kreative Ideen gefragt. So wurden zum Beispiel kleine Kisten seitlich an die Anhänger des Treckers montiert, sodass sie jeder gut erreichen und das gepflückte Obst hineinlegen konnte.
Nach mehr als 20 Jahren, in denen der Obstverkauf florierte, machte sich eine Entwicklung bemerkbar: Die Beschäftigten im Obstbau wurden älter und kamen mit den körperlichen Belastungen weniger gut zurecht als früher – auch ließ das Interesse der Jüngeren, auf Hof Mauch zu arbeiten, spürbar nach. Ohne genügend Man- und Womanpower war der Anbau von Tafelobst jedoch nicht länger leistbar. Die Konsequenz: 2019 begann man die Umstellung auf Hochstämme.
Mit Unterstützung des Naturparks Nassau legte die Stiftung Scheuern großflächige Streuobstwiesen an. Diese garantieren nicht nur den Erhalt alter Sorten, sondern sind auch für die Tierwelt ein wertvoller Lebensraum. „Das ist die Zukunft“, zeigt sich Martin Eck überzeugt. Die Früchte landen jetzt nicht mehr als Tafelobst in den Geschäften. Stattdessen ist Saft mittlerweile das Hauptprodukt von Hof Mauch. Dieser wird aus unbehandelten Äpfeln gepresst und ist zudem einzigartig lecker. „Er schmeckt jedes Jahr ein wenig anders“, schwärmt Martin Eck von dem Produkt, das es in vielen Geschäften in und um Nassau zu kaufen gibt. Zudem gibt es eine Auswahl köstlicher Obstbrände, die aus Früchten der Stiftung Scheuern hergestellt werden.
Im vergangenen Oktober hat „Ecki“ mit seinem Team zum 33. Mal Äpfel auf Hof Mauch eingesammelt. „Wir hatten eine sehr gute Ernte“, berichtet Martin Eck. Die Masse an Äpfeln war so groß, dass man auf Unterstützung durch andere Werkstattbereiche zurückgriff. Im Rückblick sagt „Ecki“: „Ich habe jeden Tag Spaß bei der Arbeit gehabt.“
Einen Dank richtet er an die Stiftung Scheuern. „Sie ist ein Arbeitgeber, auf den Verlass ist und der Unterstützung anbietet, wenn man sie braucht”, sagt Martin Eck. „In unserem Bereich war immer Platz für Eigeninitiative, so dass eine gute Öffentlichkeitsarbeit stattfinden konnte.“ Seine Erfahrung aus mehr als drei Jahrzehnten lautet: „Ich bin hier immer auf offene Ohren gestoßen, was der Motivation auch förderlich war.“ Sebastian Mono, Werkstattleiter Garten- und Landschaftspflege in der Stiftung Scheuern, würdigt das leidenschaftliche Engagement von Martin Eck. „Für ihn war Werkstatt immer mehr als ein Job“, sagt er. „In vielen Fortbildungsangeboten hat er auch Beschäftigte anderer Werkstattbereiche für das Pressen von Saft, dessen Verkostung und den Besuch von Hof Mauch begeistert.“